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DIREKTION / künstlerische Leitung Traude Kossatz

Im Gespräch
Die Puppe - so oft der erste Gedanke - bildet den Mensch im verkleinerten Maßstab ab. Wenn die Puppe keine Nachahmung des Menschen oder des Tieres ist, was ist sie dann?
Die Puppe will weder Mensch noch Tier nachahmen, sondern seinen Wesenszug darstellen, sein innerstes Wesen zeigen und so seinen Charakter deutlich hervorheben.

Du reduzierst und abstrahierst die Figuren. Was verstehst du unter Reduktion und Abstraktion?
Alles für die Aussage Unwesentliche oder Zufällige wegzulassen, sodass dem Betrachter das Wesentliche einer Figur klar sichtbar wird.

Eine Puppe hat kein Eigenleben, sie hat nichts, wozu der Mensch nicht auch fähig wäre. Worin liegt ihre Stärke?
Ich weiß, es klingt seltsam, aber die Stärke der Puppe liegt darin: Sie ist nicht lebendig! Es steckt kein verkleideter Mensch hinter der Puppe: hinter der Maus, dem Bären oder dem König. Die Puppe ist die Maus, ist der Bär, ist der König. Auf die Bühne bringt sie ausschließlich die Grundzüge eines Charakters - und nicht mehr. Sie hat keine Identität außerhalb der Aufführung und bringt so keine anderen Assoziationen mit.

Die Puppe als abstraktes Gebilde, als Zusammenspiel von Farbe und Form, sperrt sich doch jeglicher menschlicher Empfindung?
Ich glaube, dass durch Abstraktion und Reduktion die Fantasie des Zuschauers - und damit das "Sich-hinein-leben", die aktive Beteiligung - besonders angesprochen wird.

Kann man bei deinen Puppen von "Stilisierung" sprechen?
Etwas einen Stil geben, heißt für mich eigentlich nur, der Natur eine gestaltete, künstliche Form entgegenzusetzen.

Kann die Puppe eine geistige Welt darstellen?
Sie kann der geistigen Welt Umrisse geben. Sie kann Schicksale darstellen und alles, was ich mir auszudenken vermag und meine Hände fähig sind auszuführen.

Du hast einen handwerklichen Beruf erlernt: Uhrmacherin. Hilft dir das beim Figurenbau?
Oh ja, sehr! Vor allem das Verarbeiten und Bearbeiten verschiedener Materialien habe ich damals gelernt. Feilen, löten, gießen und schweißen ist auch beim Puppenbau notwendig. Theaterpuppen stehen ja nicht im Schaukasten. Sie sind ständig in Bewegung und dürfen auch nach der hundertsten Vorstellung nicht aus den Nähten platzen oder den Kopf verlieren.

Was interessiert dich an der Theaterpuppe?
Die Puppe als plastische Figur mit all ihren visuellen Elementen und die Fähigkeit sich zu bewegen. In der Theaterpuppe empfinde ich eine Verbindung zwischen Theater und Bildender Kunst. Diese Schnittstelle interessiert mich.

Puppentheater ist besonders bei Kindern beliebt. Kinder erinnern sich noch nach Wochen an Einzelheiten der Puppen und der Handlung. Sind Kinder bessere Beobachter?
Kinder sind keine passiven Kunstgenießer. Das Kind sieht sich selbst in der Puppe. Es stellt sich selbst in die Situation seines Helden und handelt in seiner bildhaften Vorstellung mit ihm zusammen. Das Kind kennt noch keinen Unterschied zwischen Spiel auf der Bühne und Wirklichkeit. Daher hat jedes Puppenspiel für Kinder zwischen drei und acht Jahren - mit oder ohne Absicht - eine pädagogische Funktion.

Was empfindest du, wenn du deine Puppen, während einer Aufführung auf der Bühne siehst?
Zuerst, was ich alles hätte besser machen können. Dann bin ich oft erstaunt und auch sehr erfreut, wie sich Erwachsene während einer Puppentheatervorstellung verändern. Zuerst sitzen sie steif da und im Verlauf der Aufführung fällt langsam die Verkrampfung - bis sie zu einem herzlichen Lachen kommen. Zu dieser Gelöstheit, die vielleicht eine heimliche Sehnsucht jedes Menschen ist, kann die Puppe führen.

Traude Kossatz
wurde 1939 in Wien geboren.
Lernte Uhrmacher und studierte bei Prof. Axl Leskoschek Malerei.
1969 Heirat mit dem Kunsthistoriker Horst-Herbert Kossatz.
2 Söhne Max und Paul.
Von 1975-1977 Aquarellausstellungen in Wien und Illustrationen für Zeitschriften.
1977 erste Arbeiten mit Puppen beim "Mauerbacher-Puppentheater" unter der Leitung von Johannes Rausch.
1980 Gründung der Wanderbühne Lilarum. 1984 Eröffnung eines Kellertheaters mit 30 Sitzplätzen in Wien Penzing.
Auszeichnungen des Kleinbühnenbeirats und Förderungspreis.
1984-1995 Kasperlsendungen für den ORF
1997 war es Traude Kossatz und ihrem Team möglich mit Unterstützung der Gemeinde Wien, des BKA und des dritten Bezirks die ehemaligen Göllnersäle in Wien 3, Göllnergasse 8 zu beziehen und ein Theater mit 100 Sitzplätzen und regelmäßigem Spielbetrieb zu eröffnen, das sie gemeinsam mit ihrem Sohn leitet.


Es gibt den Maler, der aus der Sonne einen Fleck macht. Aber es gibt auch den, der mit Überlegung und Handwerk aus einem gelben Fleck eine Sonne macht. Pablo Picasso