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Der König in der Kiste

nach dem gleichnamigen Buch von Paul Maar.

Es war einmal, vor nicht allzulanger Zeit ein junger König. Er liebte sein Volk und weil er tüchtig und gütig war, liebte sein Volk auch ihn. Seit er König geworden ist, wurde im ganzen Land viel gelacht, getanzt und gejubelt. Denn der vorige König war streng und grausam. Weit und breit sehnte sich nur ein Einziger nach den alten Zeiten zurück: Es war der immer grantige Haushofmeister Krätzeklein. Der Haushofmeister beschwerte sich beim fröhlichen König, dass es kaum noch Strafen und Verbote gibt, so wie früher, beim alten König.
Die Menschen aus dem Volk fanden ihren jungen König manchmal einsam und viele wünschten sich eine Königin. Der König dachte darüber nach. Und er beschloss, die Könige in seinen Nachbarsschlössern zu besuchen. Dort würde er vielleicht unter den Prinzessinnen eine finden, die als Königin zu ihm passte. Aber die Töchter der anderen Könige waren noch ein bisschen zu jung zum Heiraten. Sie interessierten sich mehr für Rollschuhfahren oder Fernsehen. "Sie ist zum Heiraten noch viel zu klein", sagte der König ein ums andere Mal zu seinen Nachbarn. Also blieb ihm nichts anderes übrig als ohne Königin die Heimreise anzutreten. Während der König verreist war, schmiedete Haushofmeister Krätzeklein einen gemeinen Plan. Er ging in einen Wald, von dem er gehört hatte, dass böse Geister, ja sogar Hexen darin hausten. Es war recht unheimlich in diesem Wald und Krätzeklein traf tatsächlich eine Hexe. Er bat sie um ein Zaubermittel, "damit es wieder so wie früher wird, wie beim alten König". Auch die Hexe hatte einen Hass auf alle warmherzigen und friedfertigen Menschen, aber sie wollte auch nicht dem Haushofmeister helfen, sondern lieber selbst die Macht an sich reißen. Sie gab Krätzeklein einen Raben mit, den er freilassen sollte, sobald der König sein Schloss verlassen hat. Mit ihren Zauberkräften konnte die Hexe auch die Gestalt anderer annehmen. Sobald der Rabe zu ihr zurückkam, machte sie sich auf den Weg zum Schloss. Sie sah ganz genau so aus wie der König, aber sie hatte ganz anderes im Sinn - nämlich Hass, Neid, Zwietracht und Streit.
Als der König von seiner Brautreise zurückkehrte, hatte sich einiges an seinem Schloss verändert. Überall waren Absperrungen angebracht und Alarmsirenen, die gleich losheulten, wenn sich jemand näherte. Der König fragte laut rufend, was die Absperrungen sollten. Aber die herbei eilenden Wachen sahen in ihm nur einen Störenfried und nahmen ihn fest. Denn die Hexe hatte sich erfolgreich als König ausgegeben und strenge Verbote und Strafen angeordnet. Als er ihnen erklärte, dass er ihr König ist, hielten sie ihn gar für einen gefährlichen Schwindler und warfen ihn in den Kerker.
Der eingesperrte König flehte den Kerkermeister an: "Komm näher und sieh mich an! Ich bin doch dein König! Erkennst du mich denn nicht?" Der Kerkermeister stellte fest: "Du siehst dem König wirklich sehr ähnlich." Er wunderte sich auch, wie sehr sich der König auf seiner Reise verändert hatte: "Seit der König von seiner Reise zurück ist, ist er nur noch böse und grausam. Niemand mag den König mehr!" Darum glaubte der Kerkermeister dem Gefangenen und ließ ihn heimlich durch einen unterirdischen Gang aus dem Schloss ins Freie flüchten.

Im Freien angelangt traf der König einen Affen, der ihn zu einer Kiste führte, in der sich ein Puppentheater befand. Aber es war keine gewöhnliche Puppenkiste, sie hatte ein ganz besonderes Geheimnis: Man wurde so klein wie eine Puppe, wenn man durch eine Seitentür in die Kiste ging - und wer wieder aus der Kiste herauskam, wurde wieder so groß wie vorher. In der Kiste wohnten das junge Mädchen Lilly und ihr Onkel, der die geheimnisvolle Kiste gebaut hatte. Mit dem kräftigen Robustus und Joko, dem Affen zogen sie durch die Lande und spielten Geschichten, die sich Robustus ausgedacht hatte. Seine neueste Geschichte handelte von einem König, den sein Volk liebte, der aber von einem böswilligen Menschen und einer Hexe ausgetrickst wurde, während er verreist war. Als der König das hörte, erschrak er und erkannte darin sein Schicksal. Er erzählte allen, dass es eine wahre Geschichte ist und er selbst der vertriebene König.
Nur wie sollte der König jetzt zurück in sein Schloss kommen? Viel Zeit zu überlegen hatten sie nicht, denn bald kam auch der Haushofmeister Krätzeklein mit bewaffneten Wachen vorbei. Sie wollten den entflohenen König finden und einfangen, aber der verkroch sich schnell in der Kiste, bevor er gesehen werden konnte. Robustus rühmte vor dem neugierigen Krätzeklein seine Puppenkiste: "Ich erfreue damit Kinder und Könige!" Krätzeklein wollte seinem König eine schöne Überraschung bereiten und lud Robustus zu einem königlichen Puppenspiel ein. So konnte Robustus in das königliche Schloss gelangen und mit ihm der betrogene König.
Durch ihre Zauberkräfte hatte die Hexe in Königsgestalt böse Vorahnungen. Sie war sehr misstrauisch gegen die Kiste und ließ sie Tag und Nacht bewachen. Doch Krätzeklein schlief beim Wachehalten ein und der König schlüpfte aus der Kiste, um sich zu einem Speer zu schleichen. Aber leider stieß er den Speer um und das Klirren weckte den bösen Haushofmeister auf. Der König konnte gerade noch zurück in die Kiste fliehen.
Wie der falsche König davon hörte, wurde er furchtbar zornig und befahl Robustus, die Kiste mit dem Speer zu durchstechen. Robustus heulte und schluchzte, weil er es niemals übers Herz bringen konnte, dieses Wunderwerk zu zerstören. Nie wieder würden sich Jung und Alt aus allen Ländern daran erfreuen können. Ganz verzweifelt stürzte Robustus mit dem Speer auf den falschen König. Doch da stand plötzlich statt dem König die Hexe vor ihm - und Hexen sind nun einmal unverwundbar. Schnell eilte "der König aus der Kiste" zu Hilfe und mit vereinten Kräften wurde die Hexe durch die Seitentür in die Kiste hinein geschoben. Dort war auch die Hexe nur noch so klein wie eine Puppe. Also packte Joko, der Affe die Hexe beim Genick und hielt sie fest. Robustus holte schnell einen Käfig und Joko sperrte die Hexe darin ein.
In Gefangenschaft war die Zauberkraft der Hexe verloren - für immer. Und der böswillige Haushofmeister Krätzeklein musste sich damit abfinden, dass nun wieder ein fröhlicher König ein glückliches Volk regierte. Er flüchtete schnell außer Landes - denn wo es allen gut ging, konnte er es nicht ertragen. Für den König und sein Volk aber gab es bald ein großes Fest: Der König und das Mädchen Lilly hatten sich ineinander verliebt und alle feierten die Hochzeit der beiden und ließen ihre neue Königin Lilly hochleben.



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