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Rosi, Toni, Tatzelwurm

Am Fuß eines steilen Berges, umgeben von dichten grünen Wäldern liegt ein liebes, kleines Dorf. Dort gibt es Bauern, die manchmal gern ein bisschen lustig sind, und Kinder, die manchmal gern ein bisschen schlimm sind. Es gibt auch den Förster, der auf den Wald aufpasst. Und natürlich die Bürgermeisterin, die sich um das Dorf kümmert.

Diese Dame allerdings hat ein Problem. Es ist zu wenig Geld für die Dinge da, die so ein Dorf braucht – für eine Rehfütterung zum Beispiel, für einen neuen Feuerwehrturm oder gar für das Schwimmbad, das sich die Kinder wünschen. Da kommt der Bürgermeisterin eine Idee: Hinten im Wald liegt doch die dunkle Höhle, die in den Berg hineinführt. Dort könnte man doch ein Kaffeehaus bauen! Dann würden Touristen ins Dorf kommen! Und dann gäbe es auch mehr Geld!

Die Bürgermeisterin erzählt ihren Plan den Menschen im Dorf. Und eigentlich sind alle einverstanden, außer einem: Das ist der Förster, der sich um den Wald, seine Bäume und seine Tiere sorgt. Die Bürgermeisterin stapft sogar in den Wald, um den Förster zu suchen und zu überreden. Aber der Förster bleibt dabei. "Ein Wald ist ein Wald", sagt er. Und da soll man nichts bauen.

Rosi, die Tochter des Försters, und der Toni, der Sohn der Bürgermeisterin, machen sich ebenfalls Sorgen: Nicht so sehr um das Geld, sondern um die Höhle, die sie unbedingt erforschen wollen. Die Erwachsenen erlauben das aber nicht. "Gehts nicht in die Höhle", heißt es immer, "da drin ist der Tatzelwurm". „Ach, dieser Tatzelwurm!“, denken Rosi und Toni. Der wurde angeblich einmal in der Höhle entdeckt, aber schon seit 300 Jahren hat ihn niemand mehr gesehen. Die Erwachsenen glauben ja selbst nicht mehr an ihn! Und die Kinder auch nicht. Aber in die Höhle wollen Rosi und Toni trotzdem, bevor es zu spät ist, und da drinnen ein Kaffeehaus aufsperrt. Denn wer weiß, was da wirklich drinnen ist? Aus dem Krieg ein Schießgewehr? Eine Flasche Himbeersaft? Ein Bär im Winterschlaf? Oder ganz weit hinten, auf einem dunklen Platz – ein Schatz? Noch während der Förster und die Bürgermeisterin über das Kaffeehaus streiten, treffen sich die Kinder, ausgerüstet mit Tonis nagelneuer Taschenlampe, um es herauszufinden.

Der Toni hat seiner Mama gesagt, dass er zu Rosi fernsehen geht. Und Rosi hat wiederum ihrem Papa, dem Förster, erzählt, dass sie zu Toni fernsehen geht. Hoffentlich ruft die Bürgermeisterin nicht den Förster an, denken beide. Dann würde ihr Schwindel auffliegen.

Die Höhle führt geradewegs in das Innere des Berges. Es wird immer dunkler, und auf einmal flattert vor ihnen etwas in die Höhe. Toni erschrickt, aber zum Glück ist es nur eine kleine Schleiereule. Die Kinder gehen weiter und plötzlich treten sie auf etwas Großes, Weiches. „Grüß euch!“, sagt eine tiefe Stimme. „Der Tatzelwurm!“, flüstern sich Rosi und Toni mit großen Augen zu.

Aber der Tatzelwurm ist eigentlich sehr lieb. Gar kein böses Monster. Er ist sogar richtig höflich: „Ist mir ein Vergnügen. Gestatten, Tatzel von Wurm!" stellt er sich den Kindern vor. "Und das ist meine Mitbewohnerin, die Trudl-Eule.“ Dann erzählt der Tatzelwurm, dass er früher zwar ein wildes Ungeheuer war und sogar Menschen aufgefressen hat, aber dann hat er aufgehört damit, weil sich niemand vor ihm fürchten soll. Er isst seit 300 Jahren nur noch Schwammerlgulasch. Ja, er geht nicht einmal mehr hinaus, damit keiner vor ihm erschrickt. Rosi und Toni freunden sich schnell mit diesem lieben Wurm an. Er zeigt ihnen sogar den Schatz aus Gold und Silber, Schwertern und Juwelen, den sein Großvater gesammelt hat. Damit seine Gäste die Schätze besser anschauen können, schiebt er mit Riesenkräften ein paar Felsen auf die Seite. Jetzt scheint der Mond in die Höhle.

Rosi und Toni erzählen dem Tatzelwurm von den Plänen der Bürgermeisterin. Dem Tatzelwurm gefällt das natürlich gar nicht. Seine Höhle ein Kaffeehaus? Wo soll er denn dann wohnen?! Plötzlich hören die Kinder jemanden rufen: „Toni, wo bist du?“ Es ist Tonis Mama, die Bürgermeisterin. Sie müssen schnell aus der Höhle hinaus und den Förster suchen, um ihm alles zu erzählen. Das Kaffeehaus darf auf keinen Fall gebaut werden. Draußen angekommen versteckt sich Toni, und Rosi erzählt der Bürgermeisterin, dass Toni noch oben auf dem Berg ist, um den Mond anzuschauen. Verzweifelt macht sich die Bürgermeisterin auf die Suche nach ihrem Sohn und wandert im Dunklen den Berg hinauf. Rosi und Toni machen sich einstweilen auf den Weg zum Förster, um ihm alles zu erzählen. Kurze Zeit später ist vom Berg her ein lauter Schrei zu hören.

Die Bürgermeisterin ist durch das Loch im Berg gefallen und direkt im Schoß des Tatzelwurms gelandet. Während der Tatzelwurm ein Lied darüber singt, will die Bürgermeisterin ihre Augen lieber gar nicht mehr aufmachen. Als sie sie dann doch ein kleines Stück öffnet, erschrickt sie vor dem Tatzelwurm und schreit zuerst laut auf. „Sie müssen der Tatzelwurm sein!“, flüstert sie kleinlaut. „So ist es. Und sie sind das mit dem Kaffeehaus, oder?! Ich könnt sie auffressen!“, antwortet der Tatzelwurm. Aber weil sich die Bürgermeisterin daraufhin gleich so sehr fürchtet, fügt er schnell hinzu: „Das war ein Witz, ich bin Schwammerlfresser!“ Die Bürgermeisterin erklärt dem Tatzelwurm, dass sie das Kaffeehaus nur deshalb bauen will, weil die Gemeinde Geld braucht. Weil der Tatzelwurm das gut verstehen kann, macht er ihr ein Angebot: Er schenkt der Gemeinde einen Teil seines Schatzes. Mit großer Freude nimmt die Bürgermeisterin das Angebot an und verspricht, dafür kein Kaffeehaus zu bauen. In der Zwischenzeit sind auch Rosi, Toni und der Förster in die Höhle gekommen. Auch Rosis Vater ist sehr erstaunt, dass es den Tatzelwurm tatsächlich gibt. Als die Bürgermeisterin nun den Kindern erzählt, dass der Tatzelwurm mit seinen Schätzen das Dorf gerettet hat und kein Kaffeehaus gebaut wird, sind sie urglücklich.

Jetzt muss sich wirklich keiner mehr Sorgen machen. Und wie könnte man das besser feiern, als mit einem köstlichen Schwammergulasch vom Tatzelwurm? "So ein Schwammerlgulasch", sagt der Wurm, "gibt es in keinem Kaffeehaus der Welt!"

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