Koko und seine Freundin Kiri
nach dem gleichnamigen Kinderbuch von Erwin Moser
Koko und Kiri lebten schon lange zusammen in ihrer Bärenhöhle. Sie schliefen, aßen und spielten jeden Tag gemeinsam, denn sie hatten sich sehr lieb. Aber irgendwann war ihnen das ein bisschen eintönig geworden. Sie hatten viele Wünsche nach außergewöhnlichen Dingen, die eine Abwechslung in ihren Alltag bringen würden. So träumte Kiri oft davon, dass vielleicht einmal ein schöner fliegender Teppich oder kostbares Gewand vorbei fliegen würde.
An einem windigen Tag saßen Koko und Kiri vor ihrer Höhle und schauten zu, wie dürre Blätter und Blumen herumwirbelten. Da trug der Wind einen weißen Schleier durch die Luft und Koko und Kiri eilten ihm hinterher. Aber zu ihrer Enttäuschung war es gar kein richtiger Schleier, sondern nur ein altes Spinnennetz. "Schade!", sagte Kiri, "ich habe mich schon gefreut, dass es ein prächtiger weißer Schleier von einer Königin ist".
Da kam eine steinalte Eule aus ihrem Baumhaus und sagte: "Man muss seinen Wünschen soviel Zeit lassen, wie sie brauchen, um in Erfüllung zu gehen, sie wollen nicht gedrängt werden. Je ungeduldiger man ist, um so länger muss man warten."
Koko probierte es gleich aus mit einem Wunsch, mit dessen Erfüllung er es gar nicht eilig hatte: Ein Schiff.
Kurz darauf sahen Koko und Kiri eine Rauchsäule hinter einem Berg aufsteigen. Koko erwartete sich nun sogar ein Dampfschiff, aber der Rauch kam von einem Lagerfeuer, das sich ein Tigerkater hinter dem Berg gemacht hatte. Der Tigerkater war sogar früher einmal Kapitän auf einem Dampfschiff gewesen. Er hatte viele schöne Erinnerungen an diese Zeit und erzählte Koko und Kiri davon.
Nun war Kiri an der Reihe, sie wünschte sich einen Diamanten und einen Eisberg. Als es wenig später in der Luft glitzerte, dachte Kiri schon, das wäre der Diamant. Sie gingen dem Glitzern nach und gelangten zu einem Eisbären, der sich mit einer Schere das Fell stutzte. Es war die Schere, die im Sonnenschein so funkelte. Kiri wunderte sich, denn sie hatte sich doch einen Eisberg und keinen Eisbären gewünscht. "Auch dein Wunsch ging knapp daneben", sagte Koko. Sie halfen dem Eisbär beim Stutzen und Kiri nahm das abgeschnittene Fell mit, um zuhause ein Kissen damit zu füllen.
"Wie schön wäre es, jetzt ein Flugzeug zu haben", seufzte Koko, "dann wären wir schneller zuhause". Schon tauchte ein kleines rotes Flugzeug am Himmel auf und setzte wenig später eine Bauchlandung in eine nahe gelegene Sanddüne. Der Pilot, ein Fuchs, war ganz verdutzt über die eigenwillige Landung des Flugzeugs, aber zum Glück war ihm weiter nichts passiert. Koko bekam ein schlechtes Gewissen, hat doch die Erfüllung seines Wunsches dem Fuchs solche Probleme bereitet. Koko und Kiri halfen dem Fuchs, das Flugzeug aus dem Sand zu ziehen. Es war nichts kaputt gegangen und so konnte der Fuchs gleich seine Reise fortsetzen.
"Du hättest dir ein eigenes Flugzeug wünschen sollen", sagte Kiri, aber Koko war bereits bescheidener geworden. "Eine saftige Orange würde mir schon reichen". Wie sie um die nächste Ecke bogen, stand ein Lastwagen mit Orangen gefüllt da. Sie gehörten einer Maus, die ein bisschen Angst vor Koko und Kiri hatte. Sie wusste nicht genau, ob Bären Mäuse fangen. "Nein, wir sind nur durstige Bären", beruhigten die beiden die Maus. Da schenkte ihnen die Maus eine Orange, die anderen brauchte sie für ihre vielen Kinder, die zuhause darauf warteten. Koko und Kiri bedankten sich freudestrahlend.
Auf ihrem Heimweg kamen die beiden noch einmal am Baumhaus der steinalten Eule vorbei. Sie erkundigte sich, wie es ihnen denn mit ihren Wünschen ergangen ist. Koko und Kiri erkannten, dass sie von den vielen Wünschen genau das bekommen haben, was sie wirklich brauchen konnten. "Ja, so einfach ist es", meinte die steinalte Eule. Die saftige Orange löschte ihren Durst. Und auf dem neuen Kissen mit dem Eisbärfell schliefen Koko und Kiri besonders gut und sie hatten immer schöne Träume.
Koko und Kiri lebten seitdem noch viele Jahre glücklich und zufrieden zusammen in ihrer Bärenhöhle und im Lauf der Zeit kam noch so manches Bärenjunge dazu. Manche hatten ein dunkleres Fell - wie Koko - und manche ein helleres Fell - wie Kiri.
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